Ein dunkler Raum – ein Sesselkreis -10 traurige Leute – ein Junge der aufsteht und sagt: „Hallo, ich bin David und habe ein Problem.“

Das widerspiegelt ein Bild, das nicht selten bei vielen Leuten aufkommt, wenn sie an Selbsthilfe denken. Vor allem bei jungen Menschen kann dieses Bild die eine Hemmschwelle sein, einer Selbsthilfegruppe beizutreten oder überhaupt erst über seine Probleme zu sprechen. Obwohl Selbsthilfe soviel mehr ist als das, stellten wir einigen jungen Menschen die Frage: „Wie sieht junge Selbsthilfe eurer Meinung nach aus?“

Um uns dieser Frage genauer zu stellen luden wir am 4. und 5. Oktober 2019 zur Start Up Veranstaltung „Junge Selbsthilfe“ ein.

16 junge Teilnehmer*innen im Alter von 20 und 30 Jahren meldeten sich für die Veranstaltung an. Bevor es aber mit der Arbeit losging wollten wir uns besser kennenlernen. So starteten wir die Veranstaltung am 4. Oktober – wie soll’s im Alpenland auch anders sein – mit einem angeleiteten Kletternachmittag im Kletterzentrum Innsbruck, den wir anschließend mit einem gemütlichen Abendessen ausklingen ließen.

Nachdem das Eis nun gebrochen war, trafen sich tags darauf alle Teilnehmer*innen im Haus der Begegnung um den Inhalt der Veranstaltung zu füllen. Eingeleitet wurde die Veranstaltung von Geschäftsstellenleiterin Barbara Vantsch, BSc, die einen kurzen Input zur Selbsthilfe gab. Der restliche Tag wurde von Mag.a Christina Steixner-Buisson und Mag.a Stefanie Reinthaler angeleitet. Sie halfen der Gruppe herauszufinden, wie Selbsthilfe für junge Menschen aussehen soll. In Kleingruppen wurde geklärt, welche Bedürfnisse junge Menschen denn überhaupt haben, welche gemeinsamen Nenner sich unter denen finden lassen, wie man junge Selbsthilfe attraktiv gestalten kann und was der Dachverband der Tiroler Selbsthilfevereine und -gruppen dazu beitragen kann. Außerdem wurden die Teilnehmer*innen zusätzlich zu unseren Ideen von zwei Mitgliedern der Jungen Selbsthilfe Deutschland unterstützt, die ihre Praxiserfahrung und ihre Geschichten mit allen teilten.

Das Konzept

Nach einem langen, intensiven aber auch so erkenntnisreichen Tag, wurden schlussendlich die Ergebnisse zu einem Konzept zusammengefasst. Besonders wichtig erschien den jungen Teilnehmer*innen dabei, dass sich Selbsthilfe nicht immer zwangsläufig über Probleme definieren sollte, sondern auch präventiv und offener gestaltet werden kann. Der Wunsch sich nicht sofort einer spezifischen Gruppe zuweisen zu müssen, wurde als eines der primären Merkmale einer Jungen Selbsthilfe definiert. So ergab sich daraus das „Offene Treffen der jungen Selbsthilfe“, das als Anlaufstelle für jede*n gelten soll, der*die sich über Schwierigkeiten aller Art austauschen will. Aus diesem Treffen sollen sich künftig auch kleinere Gruppen bilden können, die sich – dann doch „ganz oldschool“ – themenspezifisch zusammensetzen. Bereits einige Tage später gründeten sich auch schon einige neue Gruppen der jungen Selbsthilfe. Das „Offene Treffen“ findet ab 28. Oktober 2019 jeden vierten Montag im Monat um 17.30 Uhr im Dachverband statt. Anmeldung unter: OffenesTreffen@gmx.at.

Mit einem neuen Konzept, neuen Gesichtern, neuen Geschichten und frischem Wind sollen sich auch künftig Aktivitätengruppen junger Leute bilden um die junge Selbsthilfe in Zukunft voll in Fahrt zu bringen.

Beitrag von: Anja Monitzer – Vorstandsmitglied im Dachverband Selbsthilfe Tirol und im Zweigverein Selbsthilfe Osttirol

 

Presseartikel zum Nachlesen:

 

Bildergalerie:

Das Programm der Veranstaltung zur Nachlese: Start-up Junge Selbsthilfe Programm

Fotos: Steinkellner, Selbsthilfe Tirol